Cupra Tavascan vs Tesla Model 3. Ehrliches Fazit nach 2 Monaten
Published on 18. Dezember 2025

Nach zwei Monaten mit dem Cupra Tavascan ziehe ich ein ehrliches Fazit im direkten Vergleich zu Tesla. Der Tesla ist zwar etwas teurer, aber mit vergleichbarer Ausstattung nehmen sich ein Cupra Tavascan und ein Tesla Model 3 oder Model Y preislich kaum etwas. Trotzdem muss ich klar sagen. Begeisterung kam beim Cupra nicht auf.
Das Leasingangebot ist für den Preis in Ordnung, aber im Alltag fehlt mir die Freude, die ich von Tesla kenne. Erschreckend ist, dass selbst ein Tesla Model 3 aus dem Jahr 2020 dem Cupra Tavascan aus 2025 in vielen Bereichen deutlich überlegen gewesen wäre. Ein Tesla aus 2022 wirkt im direkten Vergleich technologisch Jahre voraus.
Volkswagen und das Problem mit dem Verbrenner Denken
Der Eindruck verfestigt sich, dass Volkswagen seine Elektroautos um jeden Preis möglichst verbrennernah gestalten möchte, um Umsteigern den Wechsel zu erleichtern. Genau das ist aus meiner Sicht der zentrale Fehler.
BEVs ermöglichen ein völlig anderes Fahrgefühl als klassische Verbrenner. Und genau das macht sie attraktiv. Der Wechsel von einem Verbrenner auf einen Tesla ist radikal. Starke Rekuperation, echtes One Pedal Driving, kein simuliertes Standgas, kein künstliches Kriechen an der Ampel, ein extrem reduzierter und klarer Autopilot.
Beim Cupra Tavascan fühlt es sich dagegen an, als säße man in einem Verbrenner mit Elektromotor. Kriechmodus, Hold Funktion, Segeln, permanenter Wechsel zwischen Strom und Bremse. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt.
Bedienkonzept. Warum so kompliziert?
Warum muss man zum Starten des Fahrzeugs zweimal das Bremspedal treten? Einmal würde völlig ausreichen. Warum gibt es einen Startknopf, der eine Zündung simuliert? Das ist reine Verbrenner Nostalgie ohne technischen Mehrwert.
Warum simuliert ein BEV Standgas und verzichtet damit auf echtes One Pedal Driving? Gerade OPD macht das Fahren mit Elektroautos so angenehm. Die Rekuperation insgesamt könnte deutlich stärker sein. Der D Gang mit adaptiver Rekuperation und Segeln erschließt sich mir nicht. Einstellbare Rekuperation etwa für Schnee ist sinnvoll. Aber bitte mit OPD und ohne simuliertes Verbrennerverhalten.
Kein Dog Mode, kein Camp Mode. Ein echter RĂĽckschritt
Warum gibt es weder Dog Mode noch Camp Mode? Mehrmals pro Woche bleiben meine Kinder im Alter von vier und sieben Jahren für ein paar Minuten allein im Auto, während ich beim Bäcker bin und sie eine Folge Ninjago hören.
Beim Tesla ist das trivial. Camp Mode aktivieren und fertig. Beim Cupra muss man aussteigen, das Infotainment das sich abschaltet wieder manuell starten, die Klimaanlage erneut aktivieren und das Fahrzeug darf nicht abgeschlossen werden. Das ist schlicht unpraktisch.
Kein Sentry Mode und schwache Remote Funktionen
Warum gibt es keinen Sentry Mode wie bei Tesla? Aus Angst vor Datenschutz Diskussionen? Beim Tesla hat mich der Sentry Mode bereits vor zwei Parkschäden mit einer Gesamtsumme von über 6.000 Euro bewahrt. In beiden Fällen wurden Türen gegen das Fahrzeug geschlagen, ohne dass die Verursacher es bemerkt haben. Dank Videoaufnahmen übernahmen die Versicherungen den Schaden problemlos.
Auch Funktionen wie Remote Zugriff auf das Fahrzeug oder die Möglichkeit, über die Außenlautsprecher zu sprechen, sind extrem praktisch im Alltag.
Die App. Ein Trauerspiel
Es ist kaum nachvollziehbar, warum Volkswagen trotz Milliardeninvestitionen in Cariad keine performante App auf die Beine stellt. Beim Tesla aktiviere ich vier Minuten vor Abfahrt die Klimatisierung und das Auto ist beim Einsteigen warm.
Bei Volkswagen dauert es gefühlt fünf Minuten, bis ein App Befehl tatsächlich beim Fahrzeug ankommt. Anders lässt sich das kaum erklären. Als würde die App erst einen Server kontaktieren, der dann einen manuellen Prozess auslöst.
Auch das Remote Auf und Zuschließen war eine Katastrophe. Verifikation per Personalausweis funktionierte nicht. Danach muss man bei jedem Öffnen oder Schließen eine PIN oder Face ID eingeben. Tesla nutzt das Smartphone direkt als Schlüssel. Das funktioniert zuverlässig und komfortabel. Einen großen Autoschlüssel ständig mitnehmen zu müssen wirkt wie aus dem Jahr 2015.
Und nein, täglich werden keine zehntausenden Teslas über gehackte Handys gestohlen.
Volkswagen sollte es seinen Kunden so einfach wie möglich machen und nicht aus Angst vor theoretischen Sonderfällen alles unnötig verkomplizieren. Macht es so wie Tesla.
Einparken, Kameras und Assistenzsysteme
Ich fahre die Basisausstattung, wie auch beim Tesla. Trotzdem ist Einparken beim Cupra durch fehlende Fender Kameras deutlich schwieriger. Man muss ständig zwischen Außenspiegeln und der im Vergleich schwachen Rückfahrkamera wechseln. Tesla ist hier klar überlegen.
Apps, Software und OTA Updates
Warum gibt es keine nativen Apps fĂĽr WhatsApp, Spotify, Apple Music oder Tidal? Was genau hat Cariad in den letzten Jahren eigentlich entwickelt?
Und wo sind die OTA Updates? Bei Tesla kommen alle paar Wochen neue Funktionen und Verbesserungen. Beim Cupra warte ich gespannt auf das erste Software Update und hoffe, dass sich dabei wirklich etwas ändert.
Bestellung und Ăśbergabe. Ein Desaster
Der Bestell und Übergabeprozess war enttäuschend. Zwei Monate Lieferverzögerung. Kein Verbandskasten, kein Warndreieck, kein Ladekabel. Das Ladekabel kam eine Woche später per Post. Für Laternenparker ist das ein echtes Problem.
Online Zulassung war nicht möglich. Zu neu, hieß es.
Das Fahrzeug brauchte zudem zwei Monate von Bremerhaven nach Wolfsburg. Bei Tesla bin ich anderes gewohnt. Montag bestellt und bezahlt, Dienstag Brief mit UPS, Mittwoch abgeholt.
Entertainment und Familienfreundlichkeit
Gerade die Entertainment Funktionen bei Tesla machen das Auto für Kinder extrem attraktiv. Netflix und Disney Plus während des Ladens, Spiele, Santa Mode.
Ich höre regelmäßig im Cupra. Papa, warum fahren wir nicht Tesla? Der ist viel toller. Der Cupra hat keinen Weihnachtsmann Modus.
Laden und Reichweite. Ăśberraschend ausgeglichen
Die Ladekurve des Cupra ist gut. Die maximalen 130 kW werden lange gehalten. In der Praxis ist der Unterschied zu Tesla beim Laden von zehn bis achtzig Prozent gering. Zwar kann Tesla 250 kW, fällt aber ab etwa fünfzig Prozent deutlich ab.
Auf Langstrecke lade ich im Tesla meist von drei bis siebzig Prozent. Dort ist Tesla durch die hohe Peak Leistung von drei bis fĂĽnfzehn Prozent schneller. Insgesamt ist der Unterschied aber kleiner als erwartet.
Was macht Volkswagen besser als Tesla?
Einige Punkte sprechen tatsächlich für Volkswagen.
CarPlay ist verfĂĽgbar. Das vermisse ich bei Tesla trotz guter nativer Apps.
Fahrwerk, Verarbeitung und SpaltmaĂźe wirken solider. Im Alltag ist der Unterschied jedoch gering. Beide Fahrzeuge sind Mittelklasse, keine Premiumfahrzeuge.
Die Erkennung von Geschwindigkeitslimits ist beim Cupra deutlich besser. Tesla bremst oft erst ab dem Ortsschild, was insbesondere in Baden Württemberg teuer werden kann. Der Cupra erreicht die erlaubte Geschwindigkeit zuverlässig exakt am Schild.
Fazit. Software schlägt Blech
Nach mehreren chinesischen Herstellern wie BYD, MG und Tesla wollte ich der europäischen Autoindustrie noch einmal eine Chance geben. Der Cupra Tavascan wird in Hefei in China produziert, daher hoffte ich auf ein innovatives Fahrzeug.
Stattdessen richtet sich Volkswagen offenbar an sehr konservative Verbrenner Umsteiger mit Angst vor Veränderung. Nach Ablauf des Leasings wird mein nächstes Fahrzeug mit Sicherheit wieder eines sein, das Volkswagen technologisch Jahre voraus ist. Zum Beispiel von BYD, Xiaomi, Huawei, Li Auto, Zeekr oder Xpeng (Der Tesla bleibt sowieso).
Der technologische Vorsprung dieser Hersteller ist so groĂź, dass ein Support von Volkswagen aktuell keinen Sinn ergibt. Dabei ginge es durchaus. Der Audi E5 zeigt, dass Volkswagen moderne Fahrzeuge bauen kann. Warum dieses Modell dem chinesischen Markt vorbehalten bleibt, ist schwer nachvollziehbar.
Ich brauche kein Auto mit perfekten Spaltmaßen und Fahrgefühl wie vor zwanzig Jahren. Ich brauche einen High End Computer auf Rädern. Mit maximalem Entertainment, KI, Apps, autonomem Fahren und radikal einfacher Bedienung. Darum herum dann eine Karosserie, vier Räder und gerne zwei bis vier Elektromotoren mit 500 PS oder mehr.
Die Zukunft gehört Software Defined Vehicles. Nicht elektrischen Verbrennersimulatoren, die sich anfühlen wie ein Blick zurück statt nach vorn.